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Nachhaltig denken – ohne Schubladen

Nein, ich habe nichts gegen Schubladen. Ich finde sie eigentlich sehr praktisch, in ihnen kann man vieles sortiert aufbewahren. Nur wird es zum Problem, wenn wir in Klischees denken und das ein oder andere Phänomen in eine der bereits verfügbaren Schubladen stecken.

Nehmen wir das Spitzenthema Geschlecht. Ich habe letztens einen Post von sanne1978 gelesen, der mich dazu gebracht hat, diesen Text hier zu schreiben.

Ich finde es sogar gut, dass über das „dritte“ Geschlecht diskutiert wird und darüber, wie wir die Anreden werden anpassen müssen. Aber es ist für mich ein vielversprechendes Konzept und macht nachdenklich.

Klar, ich bin als Frau geboren. Jeden Monat frage ich mich: wieso als Frau? Wahrscheinlich sollte ich in diesem Leben (wenn es mehrere geben sollte, das weiß ich nicht) irgendeine Mission in diesem weiblichen Körper erfüllen. Dafür wurde er mir gegeben. Dafür habe ich ihn vielleicht selber gewählt. Als eine ehemalige strenge Feministin mochte ich Simone de Bouvoir, die sagte: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird es“. Genauso könnte ich sagen: Man wird nicht als Mann geboren, man wird es. Es sind bestimmte Verhaltensmuster und Mechanismen, die uns prägen. Wir definieren uns durch die Merkmale, die dem einen oder dem anderen Geschlecht zugeordnet werden.

Meine Freundinnen haben mich nie verstanden, warum mir schlanke Männer mit sinnlichen Lippen und Taillen, langen Wimpern und zärtlichen Händen gefallen. Ich mag es auch an Frauen und wäre mein Mann Frau gewesen, hätte ich lesbisch werden müssen. Ich wäre diesen Weg gegangen, ohne Frage, weil mir der Mensch wichtig ist.

Mag sein, dass einem haarige Männer mit massiven Muskeln gefallen. Solche können sowohl Frauen… als auch Männern gefallen. Oder auch dem „dritten“ Geschlecht. Ich rede hier nicht über Bisexualität oder Transsexualität, ich möchte damit sagen, dass es für mich völlig irrelevant ist, als was man definiert wird. Wenn ich ein biologisches Wesen bin, das Tage hat und jeden Monat blutet, heißt es noch lange nicht, dass ich die Klischees erfüllen muss. Ich bin mir meiner sexuellen Attraktivität bewusst, ich lebe sie und genieße sie. Was aber nicht nur über meine biologischen Merkmale rüberkommt, sondern durch meine Seele, die vom Geschlecht oder Geschlechtsbild befreit ist. Von allen Vorurteilen und Mustern. Frauen sind keine Gebär- oder Kochmaschinen, das ist wohl jedem klar. Männer sind keine geborenen Helden, das wohl auch. Obwohl man es gerne glauben würde. Wir sind Lebewesen mit Körper, Verstand und Seele. Die ersten zwei kann man in die Schubladen stecken, muss man aber nicht. Selbst der Körper kann sich dem neutralen und beidseitigem anpassen und sich wohl fühlen. Nicht jedes Mal wegen des Morgenständer oder Monatsblutung heulen müssen oder gar Angst vor Geburt haben. Es ist zwar eine Aufgabe eines weiblichen Organismus, aber der ganze Prozess wird vor allem von der Seele oder Seelen begleitet, die vermutlich geschlechtslos sind.

Kurzum, möchte ich einen guten Vorsatz fürs nächste Jahr fassen: Ich möchte nicht mehr sagen oder denken „Frauen/Männer sagen/denken so und so… und es sei so und nicht anders“. Vielleicht nur wenn ich jemanden zitiere oder mit jemandem explizit über Klischees spreche – von denen gibt‘s in der Gesellschaft genügend. Aber ich werde selber nichts und niemanden mehr in diese Schubladen stecken und mich selber auch nicht.

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